Der Erste Weltkrieg 1914 - 1918  - Der Große Krieg - The Great War - La Grande Guerre

 

Aus historischem Anlass entstand zwischen 2013 und 2014 ein Bilderzyklus zum Ersten Weltkrieg. Sämtliche Arbeiten besitzen keinen Einzeltitel und sind durchnummeriert. Den Arbeiten sind Zitate aus Erich Maria Remarques Roman "Im Westen nichts Neues" zur Seite gestellt

Die Ausstellung wird am Freitag, dem  08. August 2014 im Foyer am Franz-Mehring-Platz 1 in Berlin eröffnet und ist bis zum 21. September 2014

 Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Eine weitere Teilpräsentation findet im Museum der Villa Erckens in Grevenbroich statt.

Ausstellungseröffnung am Mittwoch, dem 22. Oktober 2014 um 19.00 Uhr

Ausstellungsdauer: 22. Oktober 2014 bis zum 01. Februar 2015

 


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Gedanken zum Bilderzyklus „Der Große Krieg“
 

Warum malen Sie Bilder über den Ersten Weltkrieg? Das ist doch sicherlich ein Auftrag? So oder so ähnlich lautete die am häufigsten gestellte Frage, die mir in meiner Profession als Maler im zurückliegenden Jahr gestellt wurde und die mit der Mutmaßung, es müsse sich wohl um eine Auftragsarbeit handeln, die Beantwortung der Frage gleich mit im Gepäck führte.

Die Sache verhält sich aber anders. Es handelt sich weder um eine Auftragsarbeit, noch gab mir ein Auftraggeber den Impuls den hundertsten Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges zum Anlass zu nehmen, mich mit der historischen Zäsur am Beginn des 20. Jahrhunderts, deren Wirkmächtigkeit bis in unsere Zeit hineinreicht, künstlerisch auseinander zu setzen.

Die Motivlage ist einerseits verwickelter und andererseits ganz naheliegend. Als zeitgenössischer Maler begegne ich meiner inneren und äußeren Welt malend. Die Malerei ist für mich die permanente und prozesshafte Reflektion und Klärung meines Selbst- und Weltbildes. Die hieraus entstehenden Bildwerke sind Produkte dieser Auseinandersetzung und verfolgen nicht die Absicht einer vordergründigen Botschaft oder der kalkulierten Parteinahme.

Geschichte erweist sich für mich zum Einen als ein zeitlich gesetzter Rahmen, in den ich ohne meine Mitwirkung hineingeboren werde, welcher mich aber gleichwohl beeinflusst und zum Anderen als ein unabgeschlossener Prozess, der bis in die Gegenwart hineinreicht und mich nicht nur im Allgemeinen zur passiven Erinnerung anhält, sondern im Besonderen zur aktiven Reflektion drängt.

Die gedankliche Betrachtung fördert die Annäherung an- und die Erlebbarkeit von Geschichte, wobei der künstlerischen Gestaltung, gleichgültig welcher Gattungszugehörigkeit, eine besondere Herausforderung und Bedeutung zuteil wird.

Mein Großvater väterlicherseits war Jahrgang 1896 und der Erstgeborene von sieben Geschwistern.

Als gerade Achtzehnjähriger wird er 1914 zur Westfront eingezogen und überlebt vier grauenvolle Jahre auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges. Von den zwei jüngeren Brüdern verstirbt einer im Einsatz auf einem U-Boot und ein weiterer überlebt als Kriegsversehrter.

Nach der Existenzgründung als Schneidermeister heiratet er 1924 meine Großmutter und gründet eine Familie. Gemeinsam wird ein Haus gebaut und zwischen 1926 und 1932 drei Söhne geboren. Nach kurzen fünfzehn Jahren des gemeinsamen Familienglücks erhält mein Großvater 1939 den erneuten Stellungsbefehl an die französische Front des jüngst ausgebrochenen Zweiten Weltkrieges. Nach einem Dreivierteljahr sorgt ein Beinbruch für die ersehnte Fahrkarte in die Heimat und das Schicksal scheint ein Einsehen zu haben. Mein Großvater überlebt den Zweiten Weltkrieg und verstirbt nach kurzer schwerer Krankheit im Jahr 1949 kurz vor Vollendung des dreiundfünfzigsten Lebensjahres.

 

Mein Vater, sein jüngster Sohn, ist zu diesem Zeitpunkt siebzehn Jahre alt und erlernt das Schneiderhandwerk. Im Jahr 1960 lernt er meine Mutter kennen und lieben und gründet seine Familie. Zwei Jahre später erblicke ich das Licht der Welt und verweigere 1980, im Alter von achtzehn Jahren den Wehrdienst. Im Jahr 1984 entscheide ich mich meinen Platz in der Geschichte als Freier Maler einzunehmen.

Wenn ich in meiner eigenen Familiengeschichte zurückblicke, relativiert sich meine Biografie nicht nur vor dem Hintergrund der Zeit in der ich lebe, sondern auch vor dem Schicksal der Generationen auf deren Schultern ich stehe. Nun befinde ich mich zum Zeitpunkt der Fertigstellung und der  Präsentation des Bilderzyklus im dreiundfünfzigsten Lebensjahr.

Ralf Scherfose

im Juni 2014